Der zweite Weltkrieg hat alles zerstört. Der Vater und der Bruder sind verschollen und die Schwestern Rike und Silvie sitzen gemeinsam mit Stiefmutter Claire und der kleinen Halbschwester Florentine im Keller der Familienvilla, ohne eine Ahnung, wie es nun weitergehen soll. Man könnte denken, dass nun, wo Frieden herrscht, alles wieder gut wird. Doch das Leid nimmt kein Ende. Die Menschen im zerbombten Berlin erfrieren und verhungern. Da hilft es einem auch nicht, wenn man einst ein prachtvolles Kaufhaus betrieben hat. Die Frauen der Familie Thalheim müssen ganz von vorne beginnen. Als Trümmerfrauen. Doch in Rike und Silvie steckt ein unbändiger Kampfgeist, der sogar Claire und Florentine erfasst. Gemeinsam kämpfen sie. Für den nächsten Laib Brot und wenn ihnen die Teilung Deutschlands keinen Strich durch die Rechnung macht, dann eines Tages vielleicht sogar für einen Neuaufbau des Kaufhauses. Doch ob Mut und Zuversicht für ein solch aussichtloses Unterfangen ausreichen?
Brigitte Riebes Protagonistin Rike ist das, was man heutzutage als Powerfrau bezeichnen würde. Sie wird in eine Situation geworfen, in der sie nicht sein will. Muss sehr früh viel Verantwortung übernehmen und stellt sich dem Ganzen ohne Angst. Denn wovor soll man noch Angst haben, wenn man den Bombenhagel miterlebt hat? Doch ganz so einfach ist es nicht. Spätestens, wenn das Überleben gesichert ist, kommen die Nichtigkeiten wieder ans Licht, die viel mehr an einem nagen. Da ist zum Beispiel der Tod der Mutter, die nicht die war, die sie vorgab zu sein. Da sind die Kriegsheimkehrer, die schwer traumatisiert sind und sich vor Schuldfragen drücken. Und da ist diese Sache mit der Liebe, die auch vor Kriegszeiten nicht zurückschreckt.
Und Silvie steht ihrer großen Schwester in nichts nach. Sie hat zwar ihre ganz eigene Art die Dinge anzugehen, doch gemeinsam entwickeln sie fast schon Superkräfte.
Es war phasenweise schon beklemmend, in diese schweren Zeiten einzutauchen, weil mir bei derartiger Lektüre immer bewusst wird, was meine Großeltern erlebt haben müssen. Und weil wir auch jetzt, genau in diesem Moment, Orte auf unserer Welt haben, an denen die Menschen nicht in Frieden leben dürfen und ähnliches Leid erfahren. Doch trotzdem war da diese Hoffnung zwischen den Zeilen. Und ich glaube, Hoffnung können wir angesichts der aktuellen Weltlage alle ganz gut gebrauchen. Darum war es schön, Rike und ihre Frauenbande für ein paar hundert Seiten zu begleiten und ich bin schon gespannt drauf, wie es mit der Familie Thalheim weitergeht.
Ich habe dieses Buch selbst gekauft und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider, die von niemandem beeinflusst wurde.