»Schneezauber in Winterbury« von Sarah Morgan

Gelesenes

»Schneezauber in Winterbury« von Sarah Morgan

Imogen hasst Weihnachten. Das heißt, nein, eigentlich liebt sie die Vorstellung von Weihnachten, doch leider hat die so gar nichts mit ihrem eigenen Leben zu tun. Da ist keine Familie, für die es Geschenke zu besorgen gibt. Keine heimelige Wohnung, in der der Weihnachtsbaum geschmückt werden könnte und erst recht wartet daheim kein Mann auf sie, der ihr an Heiligabend die Fragen aller Fragen stellen könnte. Es gibt noch nicht einmal einen Hund, der sie freudig begrüßt, wenn sie völlig erschlagen von der Arbeit kommt. Doch wenn Imogen eines noch mehr hasst als Weihnachten, dann ist das Mitleid und deshalb hat sie im Laufe der Jahre einfach ein Leben erfunden, das sie gar nicht hat. Und nun droht ein eigentlich nett gemeinter Vorschlag ihrer Chefin, das ganze Lügenkonstrukt zu zerstören. Gemeinsam mit einem Anruf aus dem Krankenhaus bringt er die völlig überarbeitete junge Frau zum Nervenzusammenbruch.

Endlich, könnte man als Leser denken, denn so hat sie die Chance, einmal zur Ruhe zu kommen. Doch jeder, der schon einmal mit einem Burnout-Kandidaten zu tun hatte, weiß, dass Ruhe so ziemlich das letzte ist, was so jemand erträgt. Bedeutet Ruhe doch, dass man sich mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen muss und sich nicht mehr hinter der Arbeit verstecken kann. So geht es auch Imogen. Die vier Wochen Urlaub, zu denen sie Rosalind verdonnert, erscheinen ihr wie eine Strafe.
Doch zum Glück gibt es da Dorothy, Besitzerin eines Weinguts in den Cotswolds und Imogens Lieblingskundin. Die alte Dame erfährt von der Situation und lädt sie ein, ein paar Wochen in dem kleinen Cottage zu verbringen, das sie normalerweise als Ferienhaus vermietet. Und weil Imogen wirklich am Ende ist, nimmt sie die Einladung an. Nichtsahnend, dass dieser Aufenthalt ihr Leben wirklich einmal auf links dreht und noch mehr Schwierigkeiten mit sich bringt. Aber auch die Möglichkeit, endlich zu heilen.

Schneezauber in Winterbury von Sarah Morgan ist eine äußerst gefühlvolle Geschichte, die mich sehr bewegt hat. Anfangs gab es viele Szenen, in denen ich mich gefragt habe, warum Imogen so irrational handelt, doch je tiefer man in ihr Leben eintaucht, desto besser versteht man, warum sie sich so verhält. Sie ist unter Umständen aufgewachsen, an denen andere Menschen möglicherweise zerbrochen wären und doch hält sie den Kopf oben und versucht ihren Weg zu finden. Und deshalb war es auch schön, zu sehen, wie sie nach dem anfänglichen Schock ganz behutsam Vertrauen fasst. Zu Miles, dem rastlosen Tierarzt und zu Dorothy und ihrer Familie. Das allein hätte im Grunde genommen schon ausgereicht, doch dann hat Sarah Morgan die Geschichte auch noch in einer so romantischen Gegend angesiedelt. Ich meine, wer von uns würde nicht gerne mal ein paar Wochen in einem hübsch renovierten britischen Cottage verbringen, inmitten einer verschneiten Winterlandschaft? Mit Alpakas vor der Tür und zwischen glitzernder Weihnachtsdeko. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht für einige Stunden im Geiste nach Großbritannien zu reisen und diese äußerst sympathischen Menschen ein Stück weit auf ihrem Weg zu begleiten. Und deshalb kann ich eine klare Empfehlung für diesen Weihnachtsroman aussprechen.

Transparenz

Ich habe dieses Buch selbst gekauft und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider, die von niemandem beeinflusst wurde.

«
»