»Fallers große Liebe« von Thommie Bayer

Gelesenes

»Fallers große Liebe« von Thommie Bayer

Da taucht dieser Typ vor seinem Laden auf, will ihm erst eine ganze Bi­blio­thek ver­kaufen und bietet Alexander dann einen Job an. Als hätte der junge Anti­quar sonst nichts zu tun. Hat er auch nicht. In seinem Laden steht er sich die meiste Zeit die Beine in den Bauch und kann des­halb das Geld, das Faller ihm bietet, sehr gut ge­brauchen. Also lässt er sich auf das Angebot ein und fährt den bis dahin Un­be­kannten von einer deutschen Stadt zur nächsten. Ohne zu wissen, wann es weiter­geht und was das nächste Ziel ist. Über­haupt hat er zwischen­zeit­lich das Ge­fühl sehr wenig zu wissen. Zu­mindest scheint der deut­lich ältere Faller ihm immer ein wenig über­legen zu sein. Doch so un­gleich die beiden Männer auch sind, es ent­stehen Ge­spräche, die es in sich haben. Die sich mit den großen Fragen des Lebens be­schäftigen, ohne dabei all­zu philo­sophisch zu werden. Und je näher sie ein­ander kennen­lernen, desto mehr be­merken beide, dass der erste Ein­druck manch­mal täuscht. Auch, wenn es um die Liebe des Lebens geht. Faller er­zählt von seiner, Alexander da­gegen schweigt, leidet aber inner­lich unter großer Sehn­sucht.

Ich war sehr, sehr skeptisch, als ich „Fallers große Liebe“ em­pfohlen be­kam. Das Thema Road­trip wurde im Laufe der Jahre so­wohl in der Li­te­ra­tur, als auch in Filmen der­art in­fla­tionär be­nutzt, dass ich in­zwischen leicht aller­gisch darauf reagiere. Aber da lockte der Name Thommie Bayer. Die Bücher, die ich von Bayer bis­lang ge­lesen habe, mochte ich schon. Und rein­lesen schadet schließ­lich nicht, dachte ich mir. Wobei rein­lesen ja kaum mög­lich ist, bei einem Buch, das nur 200 Seiten stark ist. Da ist man schneller mitten im Ge­schehen, als man mit der Wimper zucken kann. Dabei ist das Ge­schehen selbst relativ un­spek­ta­ku­lär. Es waren viel­mehr die Unter­haltungen, die mich in ihren Bann zogen. Die Ge­spräche über Geld und Schön­heit, über Macht und Er­folg, über Bildung und Dumm­heit. Faller und Alexander lassen wenig aus und lassen den je­weils anderen doch nie so richtig an sich heran. Trotz­dem be­kommt man im Laufe der Hand­lung als Lesender ein Bild der beiden Personen, das wunder­bar greif­bar ist. Alexander mit seiner Träg­heit hätte ich so manches Mal gerne an­ge­schubst, weil mich solche Menschen im echten Leben immer total kirre machen. Und Faller ist ein Typ, an dessen Lippen ich wahr­schein­lich ge­nauso ge­hangen hätte wie der Antiquar. Weil er so viele Klischees in Luft auf­löst und weil er so welt­ge­wandt ist. Von solchen Menschen kann man immer viel lernen.
Ab circa zwei Dritteln des Buches hatte ich eine Ahnung, wohin die Reise sinn­bild­lich gehen könnte. Mit dieser Ein­schät­zung lag ich richtig und trotz­dem hat Thommie Bayer es zum Schluss hin noch ge­schafft, mich richtig zu über­raschen. Ganz großes Kino, dieses doch relativ kurze Buch.

Transparenz

Ich habe dieses Buch selbst gekauft und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider, die von niemandem beeinflusst wurde.

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