Da taucht dieser Typ vor seinem Laden auf, will ihm erst eine ganze Bibliothek verkaufen und bietet Alexander dann einen Job an. Als hätte der junge Antiquar sonst nichts zu tun. Hat er auch nicht. In seinem Laden steht er sich die meiste Zeit die Beine in den Bauch und kann deshalb das Geld, das Faller ihm bietet, sehr gut gebrauchen. Also lässt er sich auf das Angebot ein und fährt den bis dahin Unbekannten von einer deutschen Stadt zur nächsten. Ohne zu wissen, wann es weitergeht und was das nächste Ziel ist. Überhaupt hat er zwischenzeitlich das Gefühl sehr wenig zu wissen. Zumindest scheint der deutlich ältere Faller ihm immer ein wenig überlegen zu sein. Doch so ungleich die beiden Männer auch sind, es entstehen Gespräche, die es in sich haben. Die sich mit den großen Fragen des Lebens beschäftigen, ohne dabei allzu philosophisch zu werden. Und je näher sie einander kennenlernen, desto mehr bemerken beide, dass der erste Eindruck manchmal täuscht. Auch, wenn es um die Liebe des Lebens geht. Faller erzählt von seiner, Alexander dagegen schweigt, leidet aber innerlich unter großer Sehnsucht.
Ich war sehr, sehr skeptisch, als ich „Fallers große Liebe“ empfohlen bekam. Das Thema Roadtrip wurde im Laufe der Jahre
sowohl in der Literatur, als auch in Filmen derart inflationär benutzt, dass ich inzwischen leicht
allergisch darauf reagiere. Aber da lockte der Name Thommie Bayer. Die Bücher, die ich von Bayer bislang gelesen habe, mochte ich
schon. Und reinlesen schadet schließlich nicht, dachte ich mir. Wobei reinlesen ja kaum möglich ist, bei einem Buch, das nur
200 Seiten stark ist. Da ist man schneller mitten im Geschehen, als man mit der Wimper zucken kann. Dabei ist das Geschehen selbst relativ
unspektakulär. Es waren vielmehr die Unterhaltungen, die mich in ihren Bann zogen. Die Gespräche über Geld und
Schönheit, über Macht und Erfolg, über Bildung und Dummheit. Faller und Alexander lassen wenig aus und lassen den jeweils anderen
doch nie so richtig an sich heran. Trotzdem bekommt man im Laufe der Handlung als Lesender ein Bild der beiden Personen, das
wunderbar greifbar ist. Alexander mit seiner Trägheit hätte ich so manches Mal gerne angeschubst, weil mich solche Menschen
im echten Leben immer total kirre machen. Und Faller ist ein Typ, an dessen Lippen ich wahrscheinlich genauso gehangen hätte
wie der Antiquar. Weil er so viele Klischees in Luft auflöst und weil er so weltgewandt ist. Von solchen Menschen kann man immer
viel lernen.
Ab circa zwei Dritteln des Buches hatte ich eine Ahnung, wohin die Reise sinnbildlich gehen könnte. Mit dieser Einschätzung lag
ich richtig und trotzdem hat Thommie Bayer es zum Schluss hin noch geschafft, mich richtig zu überraschen. Ganz großes Kino, dieses
doch relativ kurze Buch.
Ich habe dieses Buch selbst gekauft und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider, die von niemandem beeinflusst wurde.