»Die Dorfschullehrerin – Was die Hoffnung verspricht« von Eva Völler

Gelesenes

»Die Dorfschullehrerin – Was die Hoffnung verspricht« von Eva Völler

Die Berliner Lehrerin Helene hat es nicht leicht, als sie ihre neue Stelle an der Dorf­schule im hessi­schen Kirch­dorf an­tritt. Die alt­ein­ge­sessenen Kollegen sind nicht nur des­illusioniert, was den Lehrer­beruf an­geht, sondern arbeiten zum Teil auch noch mit alter­tümlichen Methoden. Da ist die en­gagierte Neue zu­nächst einmal ein Stör­faktor.
Die Be­wohner von Kirch­dorf da­gegen be­schäftigt eher die Frage, was die aus der DDR ge­flohene Helene aus­ge­rechnet bei ihnen will. An der deutsch-deutschen Grenze. Da hat sie doch das Elend, dem sie ent­kommen ist, immer vor Augen.
Aber Helene er­kämpft sich ihren Platz in der Dorf­ge­mein­schaft. Wird von den Schülern re­spek­tiert, von den Eltern ge­schätzt und gewinnt die quirlige Hebamme Isabella zur Freundin. Und da ist noch Tobias, der allein­er­ziehende Land­arzt, der Helenes Herz ein wenig höher schlagen lässt. Doch sie kann sich nicht ver­lieben. Denn sie trägt ein Ge­heimnis mit sich herum, dass auf keinen Fall ans Tages­licht kommen darf. Sonst ist nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Familie ge­fährdet.

Was für ein Buch! Ich war wirk­lich be­rührt. Eva Völler stellt Kirch­dorf nicht als ro­man­tischen Ort vor, in dem die Welt noch heile ist. Nein, die Menschen sind ge­wisser­maßen immer noch trauma­tisiert vom zweiten Welt­krieg und leben direkt neben dem Todes­streifen. Viele von ihnen haben Freunde im Dorf auf der anderen Seite des Zaunes und können nur schwer akzep­tieren, dass ihre Gemein­schaft aus­einander­gerissen wurde. Und auch auf der Ost­seite, über die man im Roman einiges erfährt, ist das Leben schwierig. Denn nicht jeder ist mit dem neuen System, das man ihm über­zu­stülpen ver­sucht, ein­ver­standen.
Ich habe Helene ganz be­sonders ins Herz ge­schlossen. Sie ist eine starke Frau, die für ihren Beruf brennt und dafür kämpft, ihr Leben endlich wieder in Ordnung zu bringen. Ein Unter­fangen, das hoffnungs­los er­scheint, wenn man er­fährt, was ihr passiert ist. Aber auch Isabella, die Hebamme, die ihrer Zeit ein wenig voraus ist, und der ver­ständnis­volle Tobias hatten es mir angetan.
Was mich aber wahr­schein­lich be­sonders an dieses Buch ge­fesselt hat, war die Tat­sache, dass auch meine Familie durch diese irr­sinnige Grenze aus­ein­ander­ge­rissen wurde. Ich weiß, wie es sich an­fühlt, wenn einzelne Familien­mit­glieder bei be­sonderen An­lässen nicht dabei sein dürfen, weil sie ein­ge­sperrt sind. Ich habe sie er­lebt, diese Familien­be­suche, für die man ein Visum brauchte. Bei denen einem an der Grenze das Auto durch­sucht wurde. Habe die Er­fahrung gemacht, dass man Pakete in den Osten ge­schickt hat, bei denen nicht der gesamte Inhalt am Ziel­ort an­kam. Zum Glück haben meine Groß­mutter und ihre Schwestern die Wieder­ver­einigung noch erlebt. Und jedes Mal, wenn ich heute nach Thüringen zum Familien­be­such fahre, erinnert mich der alte Wach­turm daran, dass ich so etwas bitte nie wieder er­leben möchte.

Im Roman da­gegen be­gleiten wir Helene nicht bis zur Wieder­ver­einigung. Und ob sie ihr Glück nun findet oder nicht, das ver­rate ich an dieser Stelle selbst­ver­ständlich nicht. Statt­dessen würde ich mich freuen, wenn auch Ihr dieses Buch lest und ein­taucht in diese deutsch-deutsche Ge­schichte.

Transparenz

Ich habe dieses Buch selbst gekauft und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider, die von niemandem beeinflusst wurde.

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