Der Sommer hat nochmal alles gegeben in den letzten Tagen. Da war „Hitze“ von Victor Jestin die perfekte Lektüre.
Zwei Wochen Familien-Zelturlaub an der französischen Atlantikküste. Was für manche wie ein Abenteuer klingt, ist für den in sich gekehrten Léo die Hölle. Stundenlang streift der 17-jährige wie ein gefangener Tiger durch die Reihen der Camper und kann es nicht glauben, dass die anderen wirklich Spaß haben. Spüren sie denn nicht diese erdrückende Hitze, der man nicht entkommen kann? Sehen sie nicht, wie albern dieses blöde Animationsprogramm ist? Und wieso fliegen die Mädchen, allen voran die attraktive Luce, ausgerechnet auf diese ungehobelten Jungs? Die Tage und Nächte ziehen sich wie Kaugummi in die Länge und Léo sehnt den Tag der Abreise dabei. Er hat es fast überstanden, da passiert ausgerechnet in der letzten Nacht etwas, das ihn völlig aus dem Gleichgewicht bringt. Nun trägt er nicht mehr nur seine Einsamkeit auf dem Platz spazieren, sondern noch dazu ein dunkles Geheimnis.
„Hitze“ ist mit seinen knapp 160 Seiten eher ein Büchlein, als ein Buch. Aber dieses Büchlein hat es so richtig in sich. Victor Jestin schildert mit einer beneidenswert dichten Sprache das Gefühlsleben seines Protagonisten und als Leser ist man sofort mittendrin. Man fühlt die klebrige Haut, auf der sich Schweiß, Sonnencreme und Salzwasserreste vermischt haben. Genauso wie Léos Unwillen, an diesem Ort zu sein. Immer wieder bin ich über Sätze gestolpert, die mich staunen ließen und so war es kein Wunder, dass ich förmlich durch dieses Buch geflogen bin. Und unabhängig davon musste ich natürlich wissen, wie Léo nun mit seiner „Schuld“ umgeht.
Ich habe dieses Buch selbst gekauft und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider, die von niemandem beeinflusst wurde.